Alleingeburt beim ersten Kind – wie es dazu kam…

Lesezeit: ca. 8 min

Genau drei Wochen vor dem Geburtstermin meines ersten Kindes stand ich plötzlich ohne Hebamme da. In der gesamten Region gab es keine andere, die meine geplante Hausgeburt hätte begleiten dürfen und auch das nahegelegene Geburtshaus kam nicht infrage, weil dieses unter der Leitung meiner Hebamme, die mich bis dahin begleitet hatte, stand.

Horrende Versicherungssummen, die Hebammen entrichten müssen, haben die natürliche Geburtshilfe quasi ausgeschaltet. Eine Klinikgeburt kam für mich nicht in Frage. Dafür hatte ich sehr gute Gründe, die ich gleich näher ausführen werde.

Ich gebar schließlich meinen Sohn entspannt und in Eigenregie mit meinem Mann bei uns zuhause.

Geburt steht unter dem Stern: Traumatisches Erlebnis

Bis zum Zeitpunkt meiner ersten Schwangerschaft hatte ich mich mit dem Thema Geburt kaum auseinandergesetzt. Ich wusste nicht einmal, was genau eine Plazenta ist. Auch in der Schule habe ich nichts über einen natürlichen Geburtsvorgang gelernt, was mir in bleibender Erinnerung geblieben wäre.

Wie die meisten Frauen kannte ich lediglich Geburtsszenarien aus dem Fernseher, die eine in einem Klinikhemd gekleidete, unter Schmerzen schreiende Frau, entblöst und ausgeliefert auf dem Serviertisch ‚Krankenhausbett“ darstellen. Unter Anleitung hechelnd versucht sie ihr Baby herauszupressen, welches wiederum – sollte dieser unnatürliche Geburtsprozess nicht in einen Geburtsstillstand münden und als Kaiserschnitt enden – vom unbekannten Klinikpersonal in Plastikhandschuhen herausgezogen wird.

Dieses Bild prägt unsere gesellschaftliche Vorstellung von einer Geburt, doch gibt es mittlerweile auch anthroposophisch orientierte und hebammengeleitete Kliniken, die Frauen dabei unterstützen, ihr Kind würdevoll ins Leben zu begleiten. 

Geburt im Krankenhaus: Sicherheit oder gar Verhängnis?

Bedauerlicherweise ist der zuvor geschilderte Ablauf einer Krankenhausgeburt in unserem Kulturkreis weit verbreitet und gleicht einer Maschinerie oder gar Massenabfertigung. Dem wohlwollenden und tragischerweise oftmals unterbesetzten Personal sind aufgrund wirtschaftlicher Interessen der Kliniken meist die Hände gebunden. Gebärende Frauen werden nicht selten auf Funktion und Nummer reduziert und der Kreißsaal muss schnellstmöglich für die nächste Entbindung desinfiziert werden.

Die Ursachen liegen auf der Hand: fehlende Räumlichkeiten, Personalmangel, Hektik, Schichtwechsel uvm. Es fehlt schlichtweg an Kapazitäten, neuem Leben respektvoll und sanft zu begegnen, geschweige denn einer gebärenden Frau würdevoll zu begegnen, während sie unter der Geburt ihres Kindes körperliche Höchstleistungen vollbringt.

Sprich, Geburt ist mit Angst, Zeitdruck, Schmerz und Entmündigung einer werdenden Mutter besetzt. Es scheint unmöglich unter oben genannten Voraussetzungen eine natürliche Geburt mit Freude erleben zu können. Einige Ausnahmen mag es geben, doch die mir bekannten Erfahrungsberichte bestätigen meine Ausführungen in höchstem Maße.

Bei ‘überfälligen’ Babys muss die Geburt eingeleitet werden. Bei einem vermeintlichen Geburtsstillstand wird gewaltvoll versucht, das Ungeborene aus dem Bauch zu schieben… wenn es nicht gleich heraus operiert wird. Die Saugglocke kommt nicht selten zum Einsatz und auch Dämme werden eingeschnitten oder unachtsam zerrissen. Sollte die Plazenta nicht zeitnah geboren werden, zieht der Fachmann mal eben an der Nabelschnur, um die Nachgeburt etwas zu beschleunigen und riskiert einen immensen Blutverlust der Frau, der bis zum Tod führen kann. Wie praktisch, dass sich der Notoperationssaal im selben Haus befindet und im Ernstfall schnell reagiert werden kann.

Vorgehensweisen wie diese sind leider keine Ausnahme im Klinikalltag und werden als notwendige Maßnahmen ‘verkauft’, um das Leben von Mutter und Kind zu retten. Ihr spürt meinen zynischen Unterton. Doch all das denke ich mir nicht aus. Du erfährst es selbst aus erster Hand in deinem engen Umfeld, wenn du dich dafür interessierst.

Ich möchte das Krankenhaus in seiner Funktion als lebensrettende oder lebensverbessernde Institution keinesfalls infrage stellen. Als Standard-einrichtung im Bereich Geburtshilfe ist einer gebärenden Frau, die vor allem Zeit, Zuspruch und Entspannung braucht, um ein gesundes Baby in die Welt zu begleiten, nicht geholfen – zumindest so lange wirtschaftliche Interessen seitens der Kliniken im Vordergrund stehen.

Mein Entschluss, unser Baby in einem geschützten Rahmen zu gebären, festigte sich schlussendlich, nachdem meine beste Freundin die Geburt ihres ersten Sohnes als äußerst traumatisch und gewaltvoll erleben musste.

Ich entschied mich für eine natürliche Geburt… und zwar allein!

Als ich nun mein erstes Baby im Bauch trug und mich mit der bevorstehenden Geburt konfrontiert sah, fühlte sich der Gedanke, in einem Krankenhaus entbunden zu werden, fürchterlich, fremdbestimmt und verkehrt für mich an.

Ich entschied, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen, mein Kind würdevoll zu gebären und die Verantwortung für mich und mein Ungeborenes selbst zu tragen. Von nun an verspürte ich Leichtigkeit in Bezug auf die bevorstehende Geburt und mir wurde klar, eine Alleingeburt ist der einzig richtige Weg für uns! Zum Glück stand mein Mann voll hinter mir.

Irgendetwas in mir wollte die Führung übernehmen und die Geburt meines ersten Babys selbstbestimmt und mit maximaler Liebe erleben. Demnach bereitete ich mich gedanklich darauf vor, eine vertrauensvolle Umgebung dafür zu schaffen. Unser Zuhause!

Meine größte Herausforderung: Umgang mit den Ängsten der anderen

Im engsten Familienkreis und mit den besten Freunden kommunizierten mein Mann und ich unser Vorhaben, nachdem wir uns mittlerweile zu Experten auf dem Gebiet ‘natürliche Geburt’ entwickelt hatten und alle Chancen, Risiken und sonstige Eventualitäten sorgfältig abwogen.

Wir erhielten einerseits großen Respekt, stießen aber auch auf vehementen Widerstand seitens der Familie. Als naiv und verantwortungslos bezeichnete man unsere geplante Alleingeburt. Nicht selten kam mir zu Ohren ” Wäre ich damals nicht im Krankenhaus gewesen, wären mein Kind und ich heute nicht auf dieser Welt” oder “Wie kannst du wissen, ob die Nabelschnur nicht um den Hals des Kindes gewickelt ist und es unter der Geburt stirbt?”

Ich hörte gelassen zu, ließ aber keine Zweifel mehr an mich heran. Zu gut war ich informiert und wusste wie eine gesunde Geburt vonstatten geht. Ein Baby umwickelt in seine Nabelschnur bereitete mir keinerlei Angst mehr. Mein Entschluss stand fest.

Geburt unter einem neuen Stern: Wundervolle Selbstermächtigung

Auch ein Blick in die Natur bestätigte mir immer wieder von Neuem, dass alle gesunden weiblichen Wesen perfekt für Geburten ausgestattet sind und unsere Körper den passenden Hormoncocktail zur richtigen Zeit bereitstellen, damit ein gesundes Baby ausgetragen werden kann.

Ein Geburtsstillstand, der bei einer natürlichen Geburt als Latenzphase bezeichnet wird, damit die Mutter noch einmal Kraft für die unmittelbar bevorstehende Austreibungsphase tanken kann, ist für den Geburtshelfer ein willkommener Grund mal eben ein wehenförderndes Mittelchen zu verabreichen, damit der perfekte Hormonhaushalt der Frau völlig durcheinander gerät und die Geburt in ihrem natürlichen Rhythmus gestört wird…keine Absicht, sondern Unwissenheit unterstelle ich dem Personal i vielen Fällen. Interventionen sind oftmals der Anfang vom Ende einer natürlichen Geburt. Eingriffe in den natürlichen Geburtsprozess manövrieren uns viel häufiger als uns lieb ist in eine manipulierte, fremdbestimmte Entbindung.

Es liegt auf der Hand, dass die Ursache für zahlreiche Interventionen oder gar Notoperationen in der zunehmenden Entfernung von einer natürlichen Geburt liegt und selten an der mangelnden Gebärfähigkeit von uns Frauen. Gut vorbereitet und mit einer gesunden Portion Selbstsicherheit und Vertrauen wurde die Geburt meines Sohnes zum eindrucksvollsten und schönsten Erlebnis meines Lebens.

Alleingeburt bedeutet: Mut zur Verantwortungsübernahme

Ganz bewusst entschied ich mich für eine entspannte, schöne und selbstbestimmte Geburt, ohne Anleitung, Muttermundkontrolle oder den Anschluss an ein CTG-Gerät. Ich eignete mir durch ausgewählte Literatur das notwendige Wissen an, um Körper und Geist auf dieses Ereignis vorzubereiten. Zudem intensivierte ich den Kontakt zu meinem Baby, damit sich die Geburt zu einem harmonischen Zusammenspiel entwickeln konnte.

Die Verantwortung blieb ganz allein bei mir, bei meinem Mann und unserem Baby. Während meiner ersten Schwangerschaft begleitete mich eine örtliche Hebamme, doch ihre Philosophie einer Geburtsbegleitung harmonierte nicht mit meiner Vorstellung von Geburt und so trennten sich unsere Wege. Wie es das Schicksal wollte, mündete unsere geplante Hausgeburt etwa drei Wochen vor der Austragung schließlich unerwartet in eine kurzfristig geplante, bilderbuchreife Alleingeburt.

Gesund und vollkommen empfing Papa seinen Sohn

Unversehrt und bildschön kam unser Sohn zur richtigen Zeit, in unserem behüteten Zuhause zur Welt. Keine Sekunde lang hegte ich auch nur einen Zweifel unter der Geburt, dass etwas nicht stimmen könnte. Ich fühlte mich kerngesund, energetisiert und in meiner vollen weiblichen Kraft. Ich habe meinem wundervollen Körper Vertrauen geschenkt und mich komplett der Geburt hingegeben.

Mein Mann sorgte für optimale Rahmenbedingungen. Bei vollem Bewusstsein erlebte ich am eigenen Leib die unfassbare große Kraft der Natur, die auf meinen Körper wirkte als ich mein Baby austrug. Ebenso ist das emotionale Ausmaß für mich unbeschreiblich, als ich meinen Sohn in den Händen hielt und ihm zum ersten Mal in sein bezauberndes Gesichtchen sah. Pure Liebe, wie ich sie nie zuvor erlebt hatte, durchflutete mich und Tränen als Ausdruck der Freude kullerten über meine Wangen. Mir ging es einfach richtig gut! Auch war ich selbst nach einer insgesamt 9-stündigen natürlichen Geburt unverletzt geblieben und hielt mein kleines Wunder noch stundenlang an meiner Brust, ehe ich erschöpft für einige Zeit in den Schlaf fiel.

Wer einmal ein Baby gesund und sanft geboren hat, anstatt die Erfahrung einer gewaltsamen Entbindung zu erleben, erfährt die schönste und würdevollste Selbstermächtigung im Leben einer Frau!

Egal, welches Umfeld sich eine Mutter für die Geburt ihres Kindes auswählt, entscheidend ist ihre Einstellung dazu, ihre Vorbereitung und die Bereitschaft Verantwortung für sich und ihr Baby zu übernehmen!

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Möchtest du mehr persönliche Einblicke über meine erste Alleingeburt erhalten? Dann kannst du dir das Interview mit Doula Lena Jannsen ansehen, das sie wenige Wochen nach der Geburt meines Sohnes mit mir führte.

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2 Kommentare zu „Alleingeburt beim ersten Kind – wie es dazu kam…“

    1. Thank you very much @AffiliateLabz!
      I think it’s so important to spread natural ways of living and treating children. Focus goes back on the source of life 🙂

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